Zwei Seelen ach in meiner Brust – Arbeiten mit inneren Anteilen

Veröffentlicht von am Mai 27, 2016 in Coaching
Zwei Seelen ach in meiner Brust – Arbeiten mit inneren Anteilen

Alles begann tatsächlich am Anfang – quasi am Tag meiner Geburt.

 

Meine Eltern hatten sich, wenn das erste Kind ein Mädchen werden würde, für den Namen Anja entschieden. Als ich dann das Licht der Welt erblickte und langes schwarzes Haar hatte, beschlossen sie kurzer Hand, mir als zweiten Namen auch noch Carmen zu geben.

Das Problem: zweite Namen sind nur selten von Bedeutung und tauchen maximal im Ausweis auf.

Anders bei mir. Die schwarzen Haare wurden schnell zu dunkelblond, der zweite Name blieb. Und er bzw. sie ist so viel mehr als nur ein Name – Carmen ist ein sehr wichtiger Teil von mir.

 

Anja

Bis vor ein paar Jahren stand Anja immer im Mittelpunkt meines Lebens und beherrschte mein „ich“. Anja, die Vorzeigetochter. Die, die sich an Regeln hält. Die Unkomplizierte, Kompromissbereite, die alles richtig machen will. Die straighte Powerfrau, die den Erwartungen gerecht wird. Selbstbewusst und zurückhaltend, beruflich erfolgreich.

Ganz klar, ich wäre nie so weit gekommen ohne Anja. Anja kennt und wahrt die Grenzen. Anja weiß sich zu benehmen. Miss Contenance. Alles gut – alles läuft.

 

Carmen

Wenn da nicht irgendwann vor einigen Jahren eine Stimme in mir immer lauter geworden wäre. Eine die schon immer da war. Eine, die dieses Sich-an-Regeln-halten, sich zu benehmen, dieses Immer-an-andere-denken (und zwar zuerst) und Verantwortung zu übernehmen, die all dies schlicht weg zum Kotzen fand.

Wollte sie doch viel lieber Piratin sein. Dinge tun, die man nicht tut und Mädchen schon gleich zwei Mal nicht. Einfach Spaß haben und nicht auf alles eine Antwort. Freibeuterin und Weib sein. Leidenschaftlich, mit Ecken und Kanten. Die Künstlerin in mir.

 

Anja gelang es über Jahrzehnte hervorragend, diese innere Stimme klein zu halten. Carmen durfte einfach nicht sein. Gefährdete sie doch vermeintlich den Erfolg. Das lange mühsam aufgebaute Image – manchmal einer Fassade gleich.

Und nun waren sie da, die „Zwei (starken) Seelen ach in meiner Brust“– wie Goethe es so passend in Worte zu fassen wusste. Eine innere Zerrissenheit, ein Kampf, der mich immer mehr Kraft kostete. Zu wissen, da ist etwas in mir, das raus will und ich selbst kann nicht aus meiner Haut. Wie zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Beides meine Stühle und doch kein Platz.

 

Anja C.

Es hat lange gedauert, einige Jahre und Coachings, viele Tränen und Momente der Verzweiflung, bis die beiden erst Freunde – Anja C. – und dann ein Team wurden. Heute bin ich bei mir angekommen, „Eins“ und stolz darauf.

 

Anja Carmen

 

Bei mir hatte die innere Zerrissenheit zwei Namen. Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl auch ohne zwei Namen zu haben. Fakt ist, dass wir immer mehrere Anteile in uns tragen. Die manchmal genau das Gleiche erreichen wollen – dann fühlt sich alles stimmig an – und manchmal eben nicht. Dann spüren wir eine innere Unruhe, scheitern mit unseren Zielen und Vorhaben. Wichtig ist, dass wir unser inneres Team kennen und jedes Teammitglied ernst nehmen und ihm mit Wertschätzung begegnen. Uns dafür zu interessieren, welche Bedürfnisse und Ziele welcher Teil unserer Persönlichkeit für uns verfolgt und erreichen will. Und jeder Teil hat eine positive Absicht!

 

Sich selbst darüber bewusst zu sein, ist der erste Schritt unsere ganze Kraft zu nutzen.

 

Eine Möglichkeit, einzelne Teammitglieder kennen zu lernen

Um herauszufinden, wer an unseren Team-Tisch sitz gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine ist, sich bewusst zu machen, welche Werte und Bedürfnisse mir in der momentanen Situation wirklich wichtig sind (z.B. die fünf wichtigsten) und welcher Teil in uns diese für uns vertritt.
Manchmal sind uns aber auch einzelne Team-Mitglieder (z.B. „der Bequeme“) eher bekannt als die zugrunde liegenden Bedürfnisse. In diesem Fall gilt es dann heraus zu finden, was genau „der Bequeme“ für mich erreichen oder sichern möchte?

Wenn ich weiß, wer alles am Tisch sitzt und mit welchem Ziel, brauche ich mich über manche innere Diskussion nicht mehr zu wundern.

 

hp.inneres-Team

 

Bin ich – als Kopf des Teams – jedoch bereit, jedem Anteil Gehör zu schenken, sie oder ihn ernst zu nehmen und die positive Absicht, das Bedürfnis kennen zu lernen und anzuerkennen, findet sich oft die richtige Lösung.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei, einige Ihrer inneren Anteile und Team-Mitglieder besser kennen zu lernen. Sollte eine Frage auftauchen, melden Sie sich gerne per e-mail bei mir … und ich helfe Ihnen im kleinen Rahmen gerne (kostenfrei) weiter.